Erfolgreich üben

4.) Wie sieht optimales Üben aus?

Aus der Lernpsychologie ist bekannt, dass Lernen dann am effektivsten ist, wenn es

  1. Gegenstände betrifft, die den Lernenden wirklich interessierenDarum sollten Übe-Hausaufgaben so vielfältig sein, dass immer „Bonbons“ dabei sind, die den Kindern Spaß machen. Trotzdem müssen sie auch lernen, größere Aufgaben zu lösen, die erst nach längerem Übeaufwand zum Erfolg führen. Denn erst, wenn das eigene Üben als sinnvoll empfunden wird, weil es eine Herausforderung darstellt, die bewältigt werden kann, macht das Spielen des Instrumentes langfristig Freude.

    Wenn Sie zu Hause bemerken, dass Ihr Kind statt der angesetzten Hausaufgaben lieber etwas anderes spielen möchte, dann lassen Sie es damit anfangen. Das Wiederholen älterer Stücke oder das freie, unkritisierte Herumprobieren – eben das SPIELEN – ist genauso wichtig wie die Hausaufgabe! Trotzdem sollte auch die Hausaufgabe geübt werden. Versuchen sie, eine der gestellten Aufgabe interessant zu machen, indem Sie z.B. mitsingen, ein Kuscheltier als Zuhörer daneben setzen, etwa selber spielen und das Kind verbessern lassen etc. Ihren Ideen sind keine Grenzen gesetzt!

  2. in einer angstfreien, motivierenden Atmosphäre stattfindetWenn Kinder etwas Neues können, wollen sie es gerne anderen zeigen. Wenn sie die ersten Töne spielen, brauchen sie Zuhörer, die sie ermutigen und ihre Freude über das Erreichte teilen. Auch wenn die ersten Wochen für Ihre Ohren noch nicht besonders schön klingen, ist es lebenswichtig für die weitere Übeeinstellung, dass Ihr Kind stolz auf sein Spiel ist.

    Das Üben sollte so viel Spaß wie möglich machen. Darum brauchen Sie eine große Menge an Geduld. Denn sobald Sie die Ruhe verlieren, hat auch Ihr Kind nicht mehr die Ruhe, weiter zu arbeiten. Im Zweifelsfalle ist es besser, das Üben zu beenden, als verbissen noch ein Ziel erreichen zu wollen. Auch später ist es von Vorteil, wenn Sie beim Üben gerne zuhören. Es ist für viele Kinder einfach schöner, in der Nähe anderer Personen zu üben als alleine in einem anderen Zimmer zu sein. Außerdem können Sie so Ihr Kind ermutigen, wenn etwas noch nicht richtig klappen will.

    Noch ein Tipp: Lassen Sie Instrumente und Notenständer soweit es geht offen stehen. Dann entfällt das lästige Hervorsuchen und Auspacken und das Instrument lädt eher zum Spielen ein.

  3. häufig und in kleinen Portionen stattfindet.Die Konzentrationsspanne 6-jähriger Kinder liegt bei maximal 5 Minuten, bei 8-jährigen Kindern bei ca. 15 Minuten. Unbekannte Inhalte jeder Art sollten darum möglichst in kürzerer Zeit vermittelt werden. Nach einer solchen Konzentrationsphase sollte die Tätigkeit deutlich wechseln, um neue Aufmerksamkeit herauszufordern.

    Mehrere hochkonzentrierte Arbeitsphasen hintereinander durchzuhalten, fällt selbst Teenagern noch schwer. Darum müssen konzentrierte Arbeitsphasen mit solchen abwechseln, die bereits Bekanntes festigen. Pro Konzentrationsphase ist es Kindern kaum möglich, mehr als einen neuen Aspekt zu bedenken.

    Das Wichtigste am Üben ist das Erinnern, weil es beim Instrumentalspiel meist um Inhalte geht, die zumindest vom Spieler nicht in Worte gefasst werden können. Je weniger Zeit vergeht, bis der Übeinhalt wiederholt wird, desto leichter fällt das Erinnern von Haltung und Fingerbewegungen und desto weniger schwierig erscheint die Übeaufgabe.

    Die oft gestellte Frage nach der Länge der Übezeit lässt sich unter diesem Gesichtspunkt nur folgendermaßen beantworten: Je mehr Zeit vergeht, bis die Aufgabe zum ersten Mal geübt, also erinnert wird, desto mühsamer und damit langwieriger ist dieser Prozess. Was am Abend des Unterrichtstages in ca. 10 Minuten zu schaffen ist, kann fünf Tage später schon fast eine Stunde in Anspruch nehmen. Das bedeutet: Es ist besser, in vielen kleinen als in einem großen Stück zu üben.

    Anfangs können die Übephasen 3 – 5 Minuten dauern, sollten aber zwei- bis dreimal pro Tag wiederholt werden. Das beste Ergebnis erzielt man, wenn regelmäßig mindestens einmal täglich geübt wird. Entscheidend ist dabei nicht eine nachprüfbare Zeitdauer, sondern das Bearbeiten einer konkreten Aufgabe.