Erfolgreich üben

3.) Die Rolle der Eltern beim Üben

Im Unterschied zu schulischen Hausaufgaben können Kinder lange Zeit nicht selbst beurteilen, ob sie die gestellten Aufgaben richtig gelöst haben. Melodie und Rhythmus müssen sie großenteils aus dem Gedächtnis spielen, denn bis eine sichere Beherrschung der Notenschrift erlernt worden ist, vergehen Jahre. Die eigene Haltung können sie nur gefühlsmäßig beurteilen, wenn das Spielen der Töne nicht sowieso alle Gedanken an die Haltung in den Hintergrund drängt. Sie brauchen also Hilfe beim Üben – erst recht, wenn man sich vor Augen hält, dass Körperhaltungen und Bewegungsabläufe schnell zur Gewohnheit werden. Und Gewohnheiten sind schwer zu ändern. Wenn ein Lehrer in einer Unterrichtsstunde eine Fehlhaltung entdeckt, besteht sie vermutlich schon mindestens eine Woche lang. Wenn die Korrektur dann vom Schüler nicht sofort im Gedächtnis behalten wird, vergeht eine weitere Woche mit falscher Haltung und die Chancen zur Berichtigung sinken rapide. Wenn Kinder hingegen jeden Tag zu Hause eine behutsame Korrektur erfahren, können sich Fehler aller Art nicht so leicht verfestigen.

Außerdem werden Sie als Eltern dringend gebraucht, um Ihr Kind zum Üben zu verlocken. Erinnern Sie es an Stücke bzw. Aufgaben, die ihm Spaß machen, singen oder spielen Sie selber und wecken Sie den Wunsch mitzuspielen oder setzen Sie sich als Publikum ihm gegenüber und klatschen Sie Beifall nach jedem Stück. Wenn Sie gerne mit Ihrem Kind üben, dann wird es vermutlich auch gerne üben. Der Satz „Du musst noch üben!“ kann dann hoffentlich vermieden werden.

Hier liegt eine große Schwierigkeit für Sie: Sie sollen einerseits Fehler erkennen und möglichst verbessern, andererseits aber ihr Kind ermutigen und nicht kritisieren. Wenn Ihr Kind Ihnen etwas vorspielt, werden Ihnen vermutlich gleich mehrere verbesserungswürdige Punkte auf einmal auffallen. Mein Rat für solche Fälle ist: zuallererst bestärken Sie Ihr Kind in dem, was es gerade gut gemacht hat und teilen seine Freude darüber. Lassen Sie es dasselbe Stück ruhig noch weitere Male genauso spielen, wenn es das möchte.

Dann überlegen Sie still, an welchem einzigen Detail Sie jetzt arbeiten möchten und den Umständen nach können. Lassen Sie die anderen außer Acht. Machen Sie z.B. ein Spiel daraus, in vielen verschiedenen Haltungen zu üben und lassen dann Ihr Kind die beste herausfinden. Das ist motivierender als ein „Du sollst aber SO stehen/ sitzen!“

Mehr als ein Detail pro Stück und Tag zu üben, ist zu Anfang wenig sinnvoll. Und bedenken Sie beim Üben immer: Ihr Kind macht Fehler nicht, um Sie zu ärgern!

Finden Sie eine Zeit am Tag, die fest für das Üben eingeplant wird – das ist eine Hilfe für Sie und Ihr Kind. Nur Sie können den Tagesablauf Ihres Kindes so strukturieren, dass es überhaupt Zeit und Ruhe zum Üben findet und dass das regelmäßig geschieht. Dabei ist es egal, ob es sich um eine feste Uhrzeit handelt, oder ob immer vor oder nach einem bestimmten Ereignis geübt wird – aber lassen sie das Üben so selbstverständlich werden wie das tägliche Zähneputzen. Das bedeutet, dass das Üben Sie mindestens genauso fordert wie Ihr Kind!