Erfolgreich üben

2.) Was üben?

Erst wer sich selber an einem Instrument versucht hat, merkt, wie unglaublich viele Dinge man beim Spielen gleichzeitig bedenken muss. Instrumentalisten müssen u.a. gleichzeitig auf ihre Körperhaltung, Fingerhaltung, Tonbeginn, Tonende, Tonhöhe, Tonlänge und Lautstärke achten. Wenn man das weiß, dann sind zwei Dinge einleuchtend:

  1. Kein Instrumentalanfänger kann alle diese Bereiche auf einmal bewältigen.
  2. Jeder Mensch hat seine ganz eigenen spieltechnischen Probleme.

Im Unterricht wird die komplexe Spieltechnik in kleine, möglichst überschaubare Bereiche gegliedert, die einzeln geübt werden können. Besonders die Haltung am Instrument erfordert große Aufmerksamkeit, denn nur eine korrekte, zweckmäßige Haltung ermöglicht später ein leichtes, flüssiges Spiel.

Daneben soll aber auch – ganz unabhängig vom Instrument – das zu erlernende Musikstück erfasst werden. Melodie, Rhythmus, Lautstärken, musikalische Spannungsbögen, Charakter und Ausdrucksmöglichkeiten müssen wahrgenommen und umgesetzt werden.

Das Erlernen eines neuen Spielstückes ist also eine hoch komplexe Aufgabe, die für jeden Schüler ganz unterschiedliche Probleme und Schwerpunkte bereithält. Die lapidare Anweisung „Übe das Stück!“ wird diesen Anforderungen in keiner Weise gerecht.

Gute Übeergebnisse können nur erzielt werden, wenn die Aufgabe so präzise wie möglich formuliert wurde. Gleichzeitig sollte sie die Konzentration des Schülers nicht überfordern, d.h. die Aufmerksamkeit auf nicht mehr als ein oder zwei Aspekte gleichzeitig lenken. Wenn mehrere Aspekte in einer Wochenhausaufgabe bearbeitet werden sollen, müssen sie auf verschiedene kleinere Aufgaben verteilt werden. Das bedeutet konsequenterweise, dass Hausaufgaben für jeden einzelnen Schüler anders gestellt werden müssen. Sie müssen auf ihn und seinen persönlichen Spielstand zugeschnitten sein.

Wenn also eine Schülergruppe an einem Musikstück arbeitet, sehen die Übe-Hausaufgaben für jeden einzelnen vermutlich ganz unterschiedlich aus. Während der eine vielleicht am Rhythmus weiterarbeiten soll, übt der andere schwierige Tonverbindungen und der dritte probiert, ob er die Melodie fröhlicher spielen kann. Dass trotzdem auch gleichlautende Aufgaben gestellt werden können, ergibt sich vor allem bei Neuerarbeitungen, denn den Notentext und die Fingersätze muss sich jeder erarbeiten.

Nach einiger Zeit gehört auch das Erinnern früherer Stücke unbedingt in den Übeplan, da die Menge der erlernten Stücke immer größer wird. Später wird sich die Übezeit in fünf große Bereiche aufteilen. Diese Bereiche sind:

  1. Technische Übungen
  2. Wiederholung I: Bereits erarbeitete Teile der aktuellen Hausaufgabe
  3. Neuerarbeitung
  4. Freies Spiel
  5. Wiederholung II: früher erarbeitete Stücke bzw. Übungen